Honigmond auf der Müllinsel und Gedanken zum Voluntourismus

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Einmal mit den Fingern schnippen und ein Monat ist schon wieder vorüber (von den Jahren nicht zu reden). Ein Monat ohne Blogeintrag. Nicht, weil es nichts zu sagen gäbe, nein. Aber weil die Zeit fehlt. Dazu vielleicht ein kleiner privater Exkurs: morgen heirate ich.

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Wie, schon wieder? Ja, schon wieder. Den gleichen Mann – meinen Lebens- und Geschäftspartner Matthias Eckert. Nur findet dieses Mal quasi erst die „echte“ Trauung statt, die große Feier, die Zeremonie mit allen Freunden und der Familie. Im Mai gab es zwischen einigen Coachings und Reisen „nur“ einen kleinen feinen Standesamt-Termin im Schloss Mirabell in Salzburg. Den neuen Namen (Eckert) trage ich allerdings seither schon.

Im Anschluss, spätestens ab Anfang Oktober, wird unser Blog jedenfalls wieder mit purem Leben und vielen Informationen und Eindrücken zu Reisen und nachhaltigem Voluntourismus gefüllt. Der Countdown läuft bereits zu unserer großen Karmalaya-Tournee: noch 16 Tage bis zum Start! 

10 Wochen werden Matthias und ich ab 29. September für Karmalaya unterwegs sein. Im Fokus: unsere Projekte. Projekte, die wir bereits seit langem unterstützen (wie zum Beispiel unser Blindenprojekt in der Himalayaregion und viele, viele weitere nachhaltige Sozialprojekte in unserer Kerndestination Nepal) und auch ganz neue förderungsbedürftige Einrichtungen in ganz neuen Destinationen: u.a. in Vietnam! Aber auch in Indonesien, Indien und den Malediven.

Malediven? Klingt nach Honeymoon. Erwischt – ein klein wenig Honeymoon muss/darf auch sein. Aber nur die Füße in den Sand bohren und nichts tun? Passt irgendwie nicht zu uns. Wir haben auch auf den Maldiven sinn-volle Kontakte aufgebaut – und werden während unserer Zeit im Paradies einige Meetings halten und Projekte besichtigen.

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Müllinsel im Paradies, Thilafushi. (Foto: lavanguardia.com) 

Weiße Strände auf Palmeninseln mitten im Indischen Ozean – in der Tat, die Malediven sind ein Traumziel vieler Reisenden. Gerade deshalb tragen wir auch eine gewisse Verantwortung und Verpflichtung. Der Tourismus in seiner heutigen Form zerstört die Lebensgrundlage der empfindsamen Unterwasserwelt. Insbesondere die Korallenriffe, die wie Dämme die Inseln vor Überschwemmungen schützen. Gelingt es nicht diese Zerstörung zu stoppen, dann werden die Malediven im Meer untergehen. Für immer.

Voluntourismus hat hier für mich – und in vielen anderen Destinationen – seine Berechtigung. Immer dort, wo „normaler“ Tourismus an seine Grenzen kommt oder zu oberflächlich ist. Welcher „klassische“ Reisende macht sich sonst schon im Inselparadies Gedanken, dass in unmittelbarer Nähe eine Insel ganz aus Müll „schwimmen“ könnte.

Thilafushi war vor 30 Jahren noch eine Lagune, in der das türkise Wasser der funkelte. Dann beschloss die Regierung der Malediven 1992, dieses Stück vom Paradies zu opfern. Denn sie wusste nicht mehr wohin mit dem Müll der Bevölkerung und dem Müll der zahlreichen Touristen. Jeder Tourist produziert pro Tag ca. 3,5 kg Müll…Alles landet auf der Müllinsel und sickert von da aus in den Ozean. Auch Batterien, Plastikflaschen, Lacke…

Ich liebe meinen Beruf – weil er mich immer wieder aufs Neue fordert. Er fordert mich, mich permanent mit neuen Dingen zu befassen. Fordert mich, Dinge, Gegebenheiten, Situationen zu hinterfragen. Fordert mich, genauer hinzusehen und einen Beitrag zu leisten. Irgendwann ändert sich das Denken langfristig. Irgendwann kann man nicht mehr einfach irgendein Hotel auf irgendeiner Insel auswählen. Irgendwann bewertet man nicht mehr nur die vordere Kulisse, sondern auch das „dahinter“. Wie wird in meinem Hotel mit den Mitarbeitern umgegangen, wie wird das Müll-Problem angegangen, welchen Anspruch stellt das Management in punkto Nachhaltigkeit und Umweltschutz an sich, etc. Ja, es ist mehr Arbeit, sich mit all diesen Dingen zu beschäftigen. Aber es loht sich. Langfristig!  

Auch an unsere Karmalaya-Programme und -Projekte stelle ich/stellen wir natürlich höchste Ansprüche. Immer wieder muss nachjustiert werden. Immer wieder muss man sich selbst an seinen hoch gesteckten Ansprüchen messen. Voluntourismus ist ein Trend in der Reisebranche. Und wie jeder Trend wird auch Voluntourismus aktuell von allen Seiten beleuchtet – kritisch und positiv. Das ist wichtig. Das Mittelmaß liegt meiner Meinung nach irgendwo zwischen dem Hype und dem „Zerreißen“. Voluntourismus ist nicht nur super. Und natürlich nicht nur schlecht. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht, wer dahinter steht.

Bevor ich Karmalaya gründete (bevor ich ahnte, dass ich Karmalaya gründen möchte) war ich selbst Volunteer/Voluntourist „undercover“. Damals war ich als Reisejournalistin in Costa Rica unterwegs, um diesen Trend  zu „testen“. Eigentlich wollte ich „nur“ helfen. Schon nach der Matura wollte ich das tun – aber es hatte sich einfach früher nicht in dieser Form ergeben.

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Ich als Voluntärin in Costa Rica, 2008. 

In der Zwischenzeit hatte ich jedoch durch meinen Job als Reisejournalistin die Welt bereist. Und immer öfter stellte ich dabei fest, dass mir das zu wenig ist. Wie soll ich seriös über ein Land berichten, wenn ich nur in den schönsten Hotels untergebracht bin, nur schnell-schnell von einem Ort zum nächsten reise, stichprobenartig Interviews führe. Wie soll das gehen? Ich fand für mich heraus, dass der einzige Weg ein Land richtig kennenzulernen jener ist, für eine Weile in einem Land zu leben und mit den Menschen zu arbeiten. Volunteering-Reisen bieten hierfür einen guten Zugang. 

So begab ich mich damals auf google-Recherche nach einem guten Projekt für dieses Projekt. Und landete immer öfter auf Plattformen/Websiten von kommerziellen Anbietern. Ich erinnere mich auch noch, wie ich selbst empört war über das Anmaßen, dass ich, wenn ich denn schon helfe, auch noch bezahlen soll! Deshalb verstehe ich diese Fragen, wenn ich sie heute höre – auch wenn die Fragen mittlerweile selten(er) kommen, weil der Trend nicht mehr so neu ist. Ich verstehe heute aber natürlich auch das Bezahlen. (>Exkurs: Wir sind ein Veranstalter von nachhaltigen Volunteeringreisen – kein Verein mit staatlicher Förderung -, möchten Menschen Länder auf eine andere Art und Weise näher bringen, interkulturellen Austausch fördern. Natürlich sind wir auch ein Unternehmen, das wie jedes andere Unternehmen Kosten generiert – Büro, Mitarbeiter, Werbung, etc. und wie jedes andere Unternehmen Gewinne erzielen muss. Außerdem fallen natürlich nicht nur in Österreich, sondern auch im Gastland Kosten an – für Unterkunft, Verpflegung, 24h-Betreuung & -Service, etc. 10 Prozent der Reiseeinnahmen fließen weiters in die Karmalaya Foundation, mit der wir selbst wieder neue Projekte initiieren können.)

Und wenn ich heute auf mein damaliges Ich zurückblicke, frage ich auch: warum dachte ich, dass gerade ich unterrichten soll/kann? Was war meine Qualifikation? Ja, ich hatte bereits Erfahrung mit Sozialarbeit in Österreich, arbeitete während meines Studiums für den mobilen Hilfsdienst, wo ich unter anderem schwerst behinderte Menschen in ihrem zuhause betreute. Aber was noch? Was qualifizierte mich? Ich war (und bin) idealistisch! Und das ist auch gut so.

Es ist doch unglaublich schön zu sehen, dass eine ganze Generation junger Menschen plötzlich mehr will, als „nur“ zu reisen. Dass man sich Gedanken macht über die verschiedenen Kulturen und Länder, wirklich die Menschen im Land kennen und verstehen lernen will. Das ist nämlich das Hauptmotiv: in Wahrheit wollen WIR lernen. Ja, wir wollen auch geben. Aber primär wollen wir mal etwas lernen. Lernen, wie man auch mit weniger glücklich sein kann. Lernen, das einfache Leben zu leben. Lernen, füreinander dazu sein. Denn vieles davon haben wir in unserer Heimat einfach verlernt.

Darum hinterfrage ich auch in letzter Zeit den Begriff des „Volunteerings“/Voluntourismus an sich. Ist der Begriff passend? Er ist so sehr mit „gutes Tun“ verbunden, mit dem großen „Geben“. Und geht nicht auf das Kernmotiv des Lernens ein, der „experience“. Ich werde in dieser Richtung in Zukunft noch weiterdenken und vielleicht werden wir auch eines Tages den Begriff sogar ändern. Denn ich möchte uns nicht verleiten, als die großen Retter der Welt aufzutreten. Ich möchte eine gleichberechtige Atmosphäre der Reisenden und „Bereisten“ schaffen – ein Geben und Nehmen. Ein „Danke“ auf beiden Seiten.

Für heute ein Danke von mir fürs Lesen! Und nun…bereite ich mich auf die morgige Hochzeit vor. Bis bald!

 

 

 

 

 

 

 

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